DIES SATURNI

Video
9 min. 20 sec.



Zimmer der Frau/Geschlechtsakt/ sonniger Tag
Ton: Atmosphäre und sehr leise Geräusche vom Sex
(Knistern des Bettzeugs und leichtes Schnaufen).
Ton: voice over
Die Stimme aus dem OFF ist die Stimme der Frau. Sie spricht langsam bedächtig, konzentriert, abgestimmt mit den leichten Bewegungen des Geschlechtsaktes.



Gestern las ich einen Text.
Einen über die Entstehung der Freizeit.
Wie die Aufteilung in Wochen entstanden ist.
Einen über die Siebentagewoche.
Das Wochenende.
Er war schwer zu verstehen.
Also ich meine die Zusammenhänge.
Irgendwie anstrengend.
Der Text wurde immer schwieriger für mich.
Aber ich merkte, um so schwieriger er wurde, um so erregter wurde ich.
Es erschien mir erst etwas merkwürdig.
Aber doch logisch.
Mein Gehirn wurde durch den Text stimuliert.
Mein Gehirn stimulierte dadurch meinen Körper.
Ich war erregt Um so intensiver ich las, um so erregter fühlte ich mich.
Ich fragte mich, ob man  durch konzentriertes Lesen zum Orgasmus kommen könnte.

Aber jetzt lese ich ja nicht. Jetzt habe ich ja Sex.
Jetzt habe ich Sex und denke an den Text , den ich gelesen habe.
 
Das hilft.

Im  Lateinischen sind die Wochentage nach den Planeten benannt.
Dies Solis. Tag der Sonne. Das ist der Sonntag.

Die Sowjetunion versuchte 1929 die Siebentagewoche abzuschaffen.
Es sah zwölf Monate zu je 30 Tagen vor, wobei die zusätzlichen entstandenen Tage staatliche Feiertage sein sollten. Es würde keinen generellen Ruhetag mehr geben.
Im Grunde genommen überhaupt keine Woche mehr.
Vier Tage lang sollte in gestaffelten Schichten gearbeitet werden,
jeden fünften Tag hatten die Arbeiter frei. Da jeder nach einem anderen Zeitplan arbeitete, konnten Familie und Freunde nur selten einen gemeinsamen freien Tag genießen.

Was war dann mit dem Samstagssex.
Heute ist Samstag. Mit Samstagssex.
Samstag, der 03.08.2002.

Hätte sich der Kalender der französischen Revolution gehalten,
dessen Zweck es war Monate, Wochen und Tage von ihren christlichen Assoziation zu lösen und gleichzeitig die Zeitmessung zu rationalisieren, das heißt zu dezimalisieren,
und hätten wir, die Deutschen, dieses System übernommen.
Also mit der Ausrufung der Republik im Jahre 1792 mit dem Jahr eins zu rechnen begonnen. So hätten wir jetzt Sex am Samstag, den 03.08.210.

Die Gedanken sind gut.
Wirklich gut.
Ich kann mich konzentrieren.
Auf den Text und auf Sex.

Ich denke an eine andere Stelle im Text und bewege mich im Rhythmus der Siebentagewoche im Lateinischen. Das ist eine Herausforderung.�



Szene: Die Szene, der Ablauf wird insoweit verändert, dass die Frau sich während des Geschlechtaktes zur Kamera dreht.  Das heißt sie dreht ihren Oberkörper  in die Richtung der Kamera und schaut und spricht den Betrachter direkt an.
Ton: Stimme
Die Frau spricht in die Kamera mit der gleichen langsamen, bedächtigen, konzentrierten Stimme, die mit den leichten Bewegungen des Geschlechtsaktes abgestimmt ist.



Dies Solis.
Dies Lunae.
Dies Martis.
Dies Mercurii.
Dies Iovis.
Dies Veneris.
Dies Saturni.


Szene: Die Frau dreht ihren Oberkörper wieder zurück. Sie schaut ihren Partner an, hat Sex mit ihm, etc........
Ton: voice over
Die Stimme aus dem OFF ist die Stimme der Frau. Sie spricht langsam bedächtig, konzentriert, abgestimmt mit den leichten Bewegungen des Geschlechtsaktes.


Dies Veneris ist der Tag der Venus.
Aber ein Freitag.
Vielleicht wäre Freitag, der bessere Tag  Sex zu haben.
Ich meine Sex unter dem Planeten der Venus.
Nicht der Samstag.

Jetzt bewege ich mich im Siebentage-Rhythmus der Deutschen.


Szene: Die Szene, der Ablauf wird insoweit wieder verändert, dass die Frau sich wieder zur Kamera dreht.  Das heißt sie dreht ihren Oberkörper in die Richtung der Kamera und schaut und spricht den Betrachter direkt an.
Ton: Stimme
Die Frau spricht in die Kamera mit der gleichen langsamen, bedächtigen, konzentrierten Stimme, die mit den leichten Bewegungen des Geschlechtsaktes abgestimmt ist.



Sonntag.
Montag.
Dienstag.
Mittwoch.
Donnerstag.
Freitag.
Samstag.


Szene: Die Frau dreht ihren Oberkörper wieder zurück. Sie streichelt ihren Partner auf der Brust und bewegt sich weiter....
Ton: voice over
Die Stimme aus dem OFF ist die Stimme der Frau. Sie spricht langsam bedächtig, konzentriert, abgestimmt mit den leichten Bewegungen des Geschlechtsaktes.



Nach unserer heutigen Auffassung beginnt die Woche aber nicht mehr mit dem Sonntag.
Sondern mit dem Montag.
Der erste Werktag der Woche. Also.


Szene: Die Szene, der Ablauf wird insoweit wieder verändert, dass die Frau sich wieder zur Kamera dreht.  Das heißt sie dreht ihren Oberkörper  in die Richtung der Kamera und schaut und spricht den Betrachter direkt an. Sie bewegt sich im Rhythmus der Aufzählung der Siebentagewoche.
Ton: Stimme
Die Frau spricht in die Kamera mit der gleichen langsamen, bedächtigen, konzentrierten Stimme, die mit den leichten Bewegungen des Geschlechtsaktes abgestimmt ist.



Montag.
Dienstag.
Mittwoch.
Donnerstag.
Freitag.
Samstag.
Sonntag.

Montag.
Dienstag.
Mittwoch.
Donnerstag.
Freitag.
Samstag.
Sonntag.


Szene: Die Frau dreht ihren Oberkörper wieder zurück. Sie schaut aus dem Fenster
Ton: voice over
Die Stimme aus dem OFF ist die Stimme der Frau. Sie spricht langsam bedächtig, konzentriert, abgestimmt mit den leichten Bewegungen des Geschlechtsaktes. Gegen Endes des Textes spricht sie leiser.



�Die Konzentration läßt nach. Diese Wochentage kann ich auswendig. Das stimuliert mich jetzt nicht mehr.
Ich kann mich auch an keine weiteren Fakten aus dem Buch erinnern.
Ich muß mir was anderes suchen.

Wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue und die Sonne sehe, dann denke ich wieso machen wir hier Sex auf dem Bett im Zimmer und nicht draußen.
Draußen an einem sonnigen Tag, einem Sonntag also, der eigentlich ein Samstag ist. Samstag, der 03.08.2002 nach unserer heutigen Zeitrechnung.


Ton: Atmosphäre und sehr leise Geräusche vom Sex (Knistern des Bettzeugs und leichtes Schnaufen).









Dies Saturni
Dialog list


 
The narration we hear in the background is the woman’s voice.
She speaks slowly, deliberately, in a concentrated way,
moving to the pace of the sexual intercourse.
 
“In 1929, the Soviet Union tried to abolish the seven-day-week.
It devised 12 months with 30 days each; the additional days
were to become statutory holidays.
There wouldn’t be a collective day off any more.
Actually no more weeks either.
 
 I read a text yesterday.
One about the origins of leisure time.
How time got divided into weeks.
A text on the seven-day-week
The weekend.
I found it very difficult to grasp.
I mean the logic of it.
Kind of exhausting.
The text became increasingly complicated.
But I noticed that the more complicated it got, the more it aroused me.
It seemed strange to me at first.
And yet logical.
My brain was stimulated by the text.
And so my body was stimulated by my brain.
I was aroused.
As I read more intensively, I felt more aroused. I asked myself
if one could get an orgasm from concentrating on reading.
 
But I’m not reading now. I’m having sex now.
I’m having sex and I’m thinking about the text I’ve read.
 
That helps.
 
Well... In Latin the weekdays are named after the planets.
Dies Solis. Day of the Sun. That’s Sunday.
 
In 1929, the Soviet Union tried to abolish the seven-day-week.
It devised 12 months with 30 days each; the additional days
were to become statutory holidays.
There wouldn’t be a collective day off any more.
Actually no more weeks either.
On four days work had to get done in shifts,
on the fifth day the workers had their day off.
Since everyone had different work schedules,
families and friends could only rarely enjoy a free day together.
 
What about sex on Saturdays…
Today’s Saturday. With “Saturday sex”.
Saturday, September 7, 2002.
 
What if the calendar adopted by the French Revolution,
whose aim was to divest months, weeks and days
of its Christian association
and to rationalize the recording of time
- it’s called decimalization -
had been taken on by us Germans.
I mean if we had started counting
from the proclamation of the Republic in 1792.
Now we would be having sex on Saturday, September 7, 210.
 
These thoughts are good.
Really good.
I can concentrate.
On the text and on having sex.
 
I’m thinking about another part of the text while moving
to the rhythm of the Latin seven-day-week.
That’s a challenge.”
 
 
The narration we hear in the background is the woman’s voice again. She speaks slowly, deliberately, in a concentrated way,
moving to the pace of the sexual intercourse.

 
“Dies Solis.
Dies Lunae.
Dies Martis.
Dies Mercurii.
Dies Iovis.
Dies Veneris.
Dies Satruni.”
 
 
The narration we hear in the background is the woman’s voice again. She speaks slowly, deliberately, in a concentrated way,
moving to the pace of the sexual intercourse.
 
“Dies Veneris is the day of Venus.
But it’s a Friday.
Maybe Friday would be a better day for having sex.
I mean sex under the planet of Venus.
Not a Saturday.
Now I’m moving to the rhythm of the German seven-day-week.”
 

The sexual scene itself changes again when the woman turns towards the camera, addressing the viewer. Then the woman speaks in the camera’s direction, but still pacing her words to the rhythm of the sexual act.


“Sunday.
Monday.
Tuesday.
Wednesday.
Thursday.
Friday.
Saturday.“
 
 
The narration we hear in the background is the woman’s voice again. She speaks slowly, deliberately, in a concentrated way,
moving to the pace of the sexual intercourse.
 
“According to our current calendar,
the week doesn’t start on Sunday any more.
But on Monday.
The first workday of the week.
Well then.”
 
 
The sexual scene itself changes again when the woman turns towards the camera, addressing the viewer. Then the woman speaks in the camera’s direction, but still pacing her words to the rhythm of the sexual act.
 
 
Monday.
Tuesday.
Wednesday.
Thursday.
Friday.
Saturday.
Sunday.
 
Monday.
Tuesday.
Wednesday.
Thursday.
Friday.
Saturday.
Sunday.“
 
 
The narration we hear in the background is the woman’s voice again. She speaks slowly, deliberately, in a concentrated way,
moving to the pace of the sexual intercourse.
 

“I can’t really concentrate. I know these weekdays by heart.
That doesn’t stimulate me any more.
I can’t remember any other facts from the book.
I have to look for something else.
 
When I look outside the window and I see the sunlight,
I ask myself why we’re having sex in bed within this room and not outside.
Outside on a sunny day, I mean on a Sunday, which is actually
a Saturday. Saturday, September 7, 2002, according to our current calendar.”