Girls Against Boys

erschienen in Bilder, Fotogalerie Wien, No. 207, 2005


Mitte der Neunziger gab sich eine Rockband aus New York einen seltsamen Namen: Girls Against Boys. Vor allem –und gegen die Erwartung – setzt sich die Gruppe nicht (wie Electrelane, Miranda Sex Garden oder The Breeders) aus Mädchen zusammen. Sie besteht aus Gitarre, Gewalt, Bass und Schweiß. Rabea Eipperle hat, soweit ich weiß, nie auf einer Bühne gerockt - auch wenn sie in einer ihrer ersten Fotoserien als Jugendliche aus der Provinz posiert, eine von denen, die eine Band gründen, nachdem sie den ganzen Tag lang Kurt Cobain gehört haben. Wahrscheinlich hört sie auch nicht GVSB. Aber sie ist in mancher Hinsicht doch ein richtiges girl against boys...

Das Wort, das mich hier interessiert, ist against. In einer ihrer früheren Arbeiten, einem Video mit dem Titel Peute (2001), tanzt Rabea Eipperle mit einem VW-Bus. Ihr Körper reibt sich gegen das stehende Auto. Es ist witzig, einfach und direkt. Das Wort gegen hat mehrere Bedeutungen, die gebräuchlichste davon ist ‘in Opposition zu’. Gegen Rechtsextremismus, gegen Folter oder gegen die Herrschaft des Mannes über die Frau sein. Viele Leute definieren sich durch das, was sie ablehnen. Aber gegen kann auch bedeuten: in Beziehung auf. Fast körperlich. Wenn Rabea Eipperle mit dem Auto tanzt, flirtet sie mit dem glänzenden Metall. In einer Fotoserie mit dem Titel Mit uns ein Gefühl (2003) bezieht sie sich auf die Körper von Bodybuildern. Sie ist freundlich und gefügig gegen die Männer. Auf dem Einzelbild sieht man ein eher durchschnittlich aussehendes Mädchen bei sich zu Hause auf dem Schoß eines Muskelprotzes, beide lächeln in die Kamera. Erst in der Serie wird der Humor und die Ironie des Ganzen sichtbar. Auf elf Fotos sieht man die gleiche junge Frau in den Armen eines jeweils anderen mit Protein aufgebauten Hardgainers. Sie sammelt die Männer, so wie Jungs Pornobildchen sammeln, mitsamt ihrer Intimität. Mädchenhafte Unschuld? Rabea Eipperle entwirft eine neue Art von Feminismus, der die Rollen ironisch verkehrt, statt dem üblichen lauten Protest, den eh niemand mehr hören will.

Thibaut de Ruyter